La Gomera

Um einen im Gefängnis einsitzenden Geldwäscher frei zu bekommen, soll ein korrupter Polizist aus Bukarest eine Pfeifsprache lernen. Ungewöhnlich konstruierter Film, der dem Begriff des Whistleblowers Bedeutung im Wortsinn zukommen lässt.

Wenn ein Film mit Iggy Pops schwungvollem Hit „The Passenger“ beginnt, dann hebt das die Laune schon mal gleich ordentlich. Untermalt wird damit die Ankunft eines Mitte 50-jährigen Mannes per Schiff auf der Kanareninsel La Gomera. Man spürt, dass dieser Mann nicht so recht weiß, was ihn hier erwarten wird. Tatsächlich wirken jene, die ihn abholen, auch nicht sonderlich vertrauenserweckend. Als man ihn abliefert an seinem Zielort auf der Insel, heißt es kurz und knapp: „Das Paket ist angekommen.“ Woher er die zum Begrüßungskomitee gehörende Gilda (Catrinel Marlon), nicht von ungefähr mit einem aufreizend roten Kleid bekleidet, kennt, wird sogleich in einer ersten Rückblende deutlich. Im traurig-tristen und meist verregneten Bukarest spricht die femme fatale ihn, den Inspektor Cristi (Vlad Ivanov), auf der Straße an. Niemand käme auf die Idee, sie würde ihn, den korrupten Polizisten, darum bitten, bei der Wiederbeschaffung verschwundener Millionen ihres inhaftierten Mafiafreundes (Sabin Tambrea) mitzuwirken. Der allerdings sitzt nur, weil die Polizei ihm zuvor Kokain untergejubelt hat.

Die Dinge liegen komplex in dieser verschachtelten Story, in der es trotz des Ernstes der Lage doch auch viele humorvolle Momente gibt, allen voran die Versuche von Cristi beim Erlernen der kanarischen Pfeifsprache El Siblo. Tatsächlich ist die Pfeifsprache in Corneliu Porumboius 2019 in Cannes im Wettbewerb um die Goldene Palme vorgestellten Neo-Noir-Thriller nur ein ironischer Gimmick am Rande, so wie auch vieles andere hier mit einem gewissen Augenzwinkern und als Verweis auf andere Noir-Klassiker goutiert werden darf. Raffiniert ist ganz gewiss, wie der für einige seiner früheren Filme (u.a. „12:08 Jenseits von Bukarest“ (2008), „Police, Adjective“ (2009) und „Der Schatz“ (2015)) in Cannes mit Preisen ausgezeichnete Regisseur „La Gomera“ strukturiert hat und kapitelweise jeweils eine Figur in den Blick nimmt, um nach und nach Details dieses verworrenen Puzzles offen zu legen.


Rumänien, Frankreich, Deutschland 2019
Regie: Corneliu Porumboiu
Darsteller: Vlad Ivanov, Catrinel Marlon, Rodica Lazar, Sabin Tambrea, Antonio Buil, Agustí Villaronga, George Pistereanu, Julieta Szoyi, Kico Correa, Daid Agranov, Andrei Popescu, Ioan Coman
98 Minuten

Bild

Spielzeiten:

Sonntag 23.02.20:18.50 Uhr
Montag 24.02.20:18.50 Uhr
Mittwoch 26.02.20:17.00 Uhr

Internet-Links

Trailer LA GOMERA